Zu dem Dome wallt die fromme Menge,
Sonntag ist’s! Horch Glocken, Orgelklänge
Uebers Meer hinzittern auf und nieder
Glockentöne, Orgelkläng’ und Lieder.

Und ein neues Glanzmeer scheint zu liegen
Auf der Fluth und tönend sich zu wiegen:
Rauschen Sonnenstrahlen klingend nieder,
Oder glänzen Orgeltön’ und Lieder?

Wie so ruhig ist die ew’ge Weite!
Wie so feierlich die Ufer heute!
Von dem grünen Strand zum Meere schwingen
Blüthenflocken sich mit Schmetterlingen.

Sonne ward zur Ampel heut im Dome,
Und das Goldgewölk’ zum Weihrauchstrome;
Weh’nde Flaggen, Rosenfinger, deuten
Meiner Sehnsucht in die fernen Weiten!

Tauben dort, die über’m Meere kreisen,
Sonst nur Bettler, die nach Nahrung reisen,
Heute doch im silbernen Gewande
Flügelpilger zum gelobten Lande!

Und es schaukelt sanft im Lilienkahne
Meine Seele auf dem Ozeane,
Liebespsalme, Friedenshymnen singend,
Myrtenzweig’ und weiße Fahnen schwingend.

Wie die Gläub’gen in den Kirchengängen
Fromm mit heil’gem Weihbronn sich besprengen,
Netz’ ich meine Hand im Fluthenspiegel:
Stirn’ und Herz, empfangt der Weihe Siegel!


Das Gedicht "Sonntagsmorgen" stammt von   (1808 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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