In geheimer stiller Freude

Blickt’ ich eine Rose an,

Die im Perl- und Purpurkleide

Schwellend aufzublühn begann.

 

Bange doch vielleicht zu Muthe

War’s dem Elfen, klein und traut,

Der in ihrem Kelche ruhte,

Drin sein Häuschen er gebaut.

 

Wenn ein Knöspchen platzend springet,

Kracht’s ihm wohl wie Donnerklang,

Wenn ein West die Rose schwinget,

Macht ihm Erdebeben bang!

 

Wie ihr Kelch sich aufthut Allen,

Schreckt ein Abgrund schwindelnd ihn,

Und des Blüthenstaubes Fallen

Stürzt auf ihn als Schneelavin’.

 

Eine Ueberschwemmung drohte

Seiner Wohnung, Hab’ und Haut,

Als es kühl aus Morgenrothe

Perlen in den Kelch gethaut.

 

Als mein Athem freier wehte,

Schien’s ihm Sturmwinds Ungestüm,

Und vielleicht gar als Komete

Droht’ mein heitrer Blick ob ihm.

 

Und mit Bangen sonder Gleichen

Harrt der Kleine ängstlichscheu,

Was wohl all der Schreckenszeichen

Grausenhaftes Ende sei?

 

Doch mit tiefer stiller Freude

Blickte ich die Rose an,

Die im Perl- und Purpurkleide

Blüthenvoll sich aufgethan.


Das Gedicht "Elfenleiden" stammt von   (1808 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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