Jüngst stand ich früh am Fenster.

Vorüber trugen schwarze Männer ernst

Im Morgenzwielicht einen off’nen Sarg.

 

Da flammt’ empor das Frühroth.

Der Leiche Antlitz glomm nun rosigroth,

Als sei nach kurzer Wand’rung rückgekehrt

Das Leben ins vorschnell verlass’ne Haus.

 

Kalt strich des Frühroths Odem.

Da hüllten sich, vor Kälte leichenblaß,

Die Männer in die schwarzen Mäntel tief,

Als wickle sie der Tod ins Leichentuch.

 

O wundervolles Frühroth!

Dem Tode hauchst du Gluth ins welke Antlitz,

Dem Leben hauchst du Eis in glüh’nde Pulse!

 

O wundervolle Liebe!

Du hauchest Eis ins wunde Herz des Lebens,

Daß es vor Frost zu Tode möcht’ erstarren!

Dein schönstes Diadem schmückt oft erst Leichen,

Dein wärmster Kuß schwelgt auf des Todes Lippen!


Das Gedicht "Das Morgenroth" stammt von   (1808 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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