Hingekauert an der Straßen

Eine Aloe sich dehnt,

Wie ein Knäul von Gliedesmaßen,

Breit, gemächlich hingelehnt.

 

So im fernen China sitzen

Mag ein feister Mandarin,

Streckend blanke Nägelspitzen

Selbstbehaglich vor sich hin.

 

Eine Pinie sprießt daneben,

Neigt auf sie ihr buschig Zelt,

Wie sein Sklav’ ob Jenem eben

Baldachin und Schirmdach hält.

 

Hundert Jahre ziehn die Straße!

Und von Sonnenschein welch Meer!

Lenzesblüthen, welche Masse!

Staub und Wandrer, welch ein Heer!

 

Endlich spürt so seltsam mächtig

Aloe ihr Herz bedrängt,

Bis ein Schaft, gar schlank und prächtig,

Blüthenvoll die Hülle sprengt.

 

Erste Blüthe, helle, blanke,

Die den kahlen Schaft umlaubt!

Erster blühender Gedanke

Um des Mandarinen Haupt!

 

Weh, daß einmal nur in Tagen

Des Jahrhunderts blüht dein Gruß!

Wehe, daß, wer dich getragen,

Auch an dir verscheiden muß!


Das Gedicht "China in Italien" stammt von   (1808 - 1876).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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