Von des längsten Tages Helle

War mir noch der Sinn bestrickt;

Gern an seines Lichtes Quelle

Hätt′ ich ewig mich erquickt.

 

Doch die Nächte wurden länger,

Und das Dunkel stieg und stieg;

Engre Kreise, immer enger

Zog die Sonne, matt und siech.

 

Selbst der Himmel schien zu trauern,

Daß die Strahlenpracht verglüht,

Und inmitten finstrer Mauern

Mich verbarg ich lebensmüd.

 

Nun wie anders alles! Nicht mehr

Sehn′ ich mir zurück den Tag,

Da allhin, ein wallend Lichtmeer,

Sonnenglanz auf Erden lag.

 

Schöner nun zu tausend Malen

Unter schneebedecktem Dach

Glänzt von zweier Augen Strahlen

Mir dies nächtliche Gemach.

 

Weich hält mich ein Arm umwunden,

Und zwei Lippen flüstern sacht:

Mit den dunklen, dunklen Stunden

Sei gesegnet, längste Nacht!


Das Gedicht "Die längste Nacht" stammt von   (1815 - 1894).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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