Nichts ist mir von dir geblieben

Als der Brief, den du geschrieben,

Meines Lebens höchstes Gut;

Mag das Auge mir erblinden,

Tröstung kann ich einzig finden,

Wenn es auf dem Blatte ruht.

 

Dann erstehn mir sel′ge Stunden

Mit den Wonnen, die geschwunden,

Wieder aus der Totengruft;

Und um meine wehmuttrunkne

Seele hauchen lang versunkne

Lenze ihren Blütenduft.

 

Ueber mir im Abendwinde

Rauscht das Wipfellaub der Linde

So wie ehmals wiederum,

Als wir Arm in Arm gelegen

Und nur mit des Herzens Schlägen

Zwiesprach hielten, wonnestumm.

 

Und dann ist mir, auf dem Blatte

Ruhe neben mir dein Schatte

In dem blassen Dämmerlicht;

O, an ihm im langen, langen

Kusse soll mein Mund noch hangen,

Wenn im Tod mein Auge bricht.


Das Gedicht "Der Brief" stammt von   (1815 - 1894).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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