Hier mein Leben möcht′ ich verträumen

Ueber der Brandung am leuchtenden Meer!

Jubelnd in den unendlichen Räumen

Schweift auf den Wellen die Seele umher;

 

Wiegt sich an hallenden Felsengestaden,

Wo auf den Klippen die Goldfrucht reift

Und, mit Duft der Citronen beladen,

Ueber die Flut der Südwind streift;

 

Schlummert in Grotten und dämmernden Hallen,

Taucht in der Wasser verborgensten Schacht,

Wo es von Perlen und bunten Korallen

Funkelt und blitzt in der purpurnen Nacht.

 

Wenn im Sturme sich bäumen die Wogen,

Tragen sie mich auf dem gleitenden Saum

Durch die siebenfarbigen Bogen,

Die sich wölben über dem Schaum,

 

Und zu gähnenden Flutabgründen

Stürz′ ich hinunter mit dem Orkan,

Bis wo den flammenden Kraterschlünden

Brausend entquillt der Ocean.

 

Wieder dann droben, nahe dem Himmel,

Jauchzt die Seele im lichten Azur,

Singt mit dem donnernden Wogengetümmel

Deine ewige Hymne, Natur!

 

Und als zerrinnende Welle im Meere,

Doch wie du selber unsterblich und groß,

Kehr′ ich im Geiste, du Göttliche, Hehre,

Heim in deinen allheiligen Schoß!


Das Gedicht "Auf Capri" stammt von   (1815 - 1894).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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