Die Sonne grüßt Tubingas Höhn,

Der Berge Morgennebel fallen,

Und leichte Frühlingslüfte wehn,

Im Tal die Herdenglocken schallen,

Des Neckars sanfte Welle quillt

An der Gestade Rebenhügel,

Es taucht die alte Burg ihr Bild

In seinen silberreinen Spiegel.

Wie wär der Morgen doch so schön,

Könnt ich mit dir mich da ergehn!

 

Und reger wogt′s am Ufer hin,

Wenn Mittag zu den Schatten ladet,

Wenn sich durch frisches Blättergrün

Die Sonne in dem Strome badet;

Der Hirte zieht den Linden zu,

Der Winzer steigt vom Berge nieder,

Und in des kühlen Strandes Ruh

Erwachen ihre Kräfte wieder;

Am Neckarstrand ruht ich so gerne,

Wär nicht Louise in der Ferne.

 

Der Abend senket seinen Strahl,

Die Herden ziehen von den Weiden,

Und fernhin durch das holde Tal

Die Dörfer zu der Ruhe läuten;

Da kommen Mädchen Hand in Hand

Den Wiesenplan heraufgezogen;

Es wölbt für sie am grünen Strand

Der Lindengang die hohen Bogen;

Doch jenen Linden fehlt das eine,

Ich wandle ohne sie - alleine!

 

Auf geht des Mondes Silberstrahl

Er malt den Berg mit falbem Glanze,

Er ruft die Geister in das Tal,

Er leuchtet ihrem Reigentanze;

Ihr Berge all von Duft umhüllt,

Du Tal, am Strome auf und nieder,

Du wärst so hold, du wärst so mild,

Dir weiht ich meine frohsten Lieder -

Du wärst so schön im Abendscheine

Schlüg sie ihr Aug hier in das meine.


Das Gedicht "Sehnsucht" stammt von   (1802 - 1827).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte