Ein Röslein war gar nicht munter,

weil es im Topfe stand,

Sah immer traurig hinunter

Auf die Blumen im freien Land.

Die Blumen nicken und winken.

Wie ist es im Freien so schön,

Zu tanzen und Tau zu trinken

Bei lustigem Windeswehn.

Von bunten Schmetterlingen

Umgaukelt, geschmeichelt, geküßt;

Dazwischen der Vöglein Singen

Anmutig zu hören ist.

Wir preisen dich und loben

Dich, fröhliche Sommerzeit;

Ach, Röslein am Fenster droben,

Du tust uns auch gar zu leid.

Da ist ins Land gekommen

Der Winter mit seiner Not.

In Schnee und Frost verklommen,

Die Blumen sind alle tot.

Ein Mägdlein hört es stürmen,

Macht fest das Fenster zu.

Jetzt will ich dich pflegen und schirmen,

Du liebes Röslein du.


Das Gedicht "Das traurige Röslein" stammt von   (1832 - 1908).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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