Ein Kirchlein steht im Waldrevier,

Da klingt ein Glöcklein für und für,

Das Glöcklein läutet bim, bim!

 

Ein Knabe und ein Mägdelein,

Die wandeln da im Abendsein,

Im Frühlingswinde rauscht der Baum,

Die zwei, sie wandeln wie im Traum.

Das Glöcklein läutet bim, bim!

 

Der Knabe sprach: O Mägdlein lieb!

Warum bist du so still und trüb?

Das Glöcklein läutet bim, bim!

 

Die Maid, sie sprach: Ich bin so stumm

Und weiß doch selber nicht warum.

Mein Herz das klopft und will nicht ruhn

Als sollt′ ich etwas Böses tun,

Und ist mir wieder doch so wohl,

So wonniglich, so ahnungsvoll!

Bald möcht′ ich dies, bald möcht′ ich das

Ich möchte wohl und - weiß nicht was.

Das Glöcklein läutet bem, bem!

 

Der Knabe zu derselben Stund

Der küßt die Maid wohl auf den Mund;

Das Glöcklein läutet bem, bem!

 

Im Abendwinde rauscht der Baum,

Die Zwei, sie wandeln wie im Traum,

Das Gras ist grün, der Wald ist dicht,

Ich sah die zwei - und seh sie nicht.

Das Glöcklein läutet bum, bum!

 

Das Glöcklein klingt bald dumpf, bald klar,

So lieb, so süß, so wunderbar,

Bim bim, bem bem, bum bum!


Das Gedicht "Das Glöcklein im Walde" stammt von   (1832 - 1908).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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