Meine ausgelaßne Kleine,

Ach, ich kenne sie nicht mehr;

Nur mit Tanten und Pastoren

Hat das liebe Herz Verkehr.

 

Jene süße Himmelsdemut,

Die der Sünder Hoffart schilt,

Hat das ganze Schelmenantlitz

Wie mit grauem Flor verhüllt.

 

Ja, die brennend roten Lippen

Predigen Entsagung euch;

Diese gar zu schwarzen Augen

Schmachten nach dem Himmelreich.

 

Auf die Tiziansche Venus

Ist ein Heil′genbild gemalt;

Ach, ich kenne sie nicht wieder,

Die so schön mit uns gedahlt.

 

Nirgends mehr für blaue Märchen

Ist ein einzig Plätzchen leer;

Nur Traktätlein und Asketen

Liegen haufenweis umher.

 

Wahrlich, zum Verzweifeln wär es -

Aber, Schatz, wir wissen schon,

Deinen ganzen Götzenplunder

Wirft ein einz′ger Mann vom Thron.


Das Gedicht "Zwischenreich" stammt von   (1817 - 1888).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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