Meine ausgelaßne Kleine,
Ach, ich kenne sie nicht mehr;
Nur mit Tanten und Pastoren
Hat das liebe Herz Verkehr.
Jene süße Himmelsdemut,
Die der Sünder Hoffart schilt,
Hat das ganze Schelmenantlitz
Wie mit grauem Flor verhüllt.
Ja, die brennend roten Lippen
Predigen Entsagung euch;
Diese gar zu schwarzen Augen
Schmachten nach dem Himmelreich.
Auf die Tiziansche Venus
Ist ein Heil′genbild gemalt;
Ach, ich kenne sie nicht wieder,
Die so schön mit uns gedahlt.
Nirgends mehr für blaue Märchen
Ist ein einzig Plätzchen leer;
Nur Traktätlein und Asketen
Liegen haufenweis umher.
Wahrlich, zum Verzweifeln wär es -
Aber, Schatz, wir wissen schon,
Deinen ganzen Götzenplunder
Wirft ein einz′ger Mann vom Thron.
Das Gedicht "Zwischenreich" stammt von Theodor Storm (1817 - 1888).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
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