Wohl rief ich sanft dich an mein Herz,

Doch blieben meine Arme leer;

Der Stimme Zauber, der du sonst

Nie widerstandest, galt nicht mehr.

 

Was jetzt dein Leben füllen wird,

Wohin du gehst, wohin du irrst,

Ich weiß es nicht; ich weiß allein,

Daß du mir nie mehr lächeln wirst.

 

Doch kommt erst jene stille Zeit,

Wo uns das Leben läßt allein,

Dann wird, wie in der Jugend einst,

Nur meine Liebe bei dir sein.

 

Dann wird, was jetzt geschehen mag,

Wie Schatten dir vorübergehn,

Und nur die Zeit, die nun dahin,

Die uns gehörte, wird bestehn.

 

Und wenn dein letztes Kissen einst

Beglänzt ein Abendsonnenstrahl,

Es ist die Sonne jenes Tags,

Da ich dich küßte zum erstenmal.


Das Gedicht "Wohl rief ich sanft dich an mein Herz" stammt von   (1817 - 1888).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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