Und schauen auch von Turm und Tore

Der Feinde Wappen jetzt herab,

Und rissen sie die Trikolore

Mit wüster Faust von Kreuz und Grab;

 

Und müßten wir nach diesen Tagen

Von Herd und Heimat bettelnd gehn -

Wir wollen′s nicht zu laut beklagen;

Mag, was da muß, mit uns geschehn!

 

Und wenn wir hülfelos verderben,

Wo keiner unsre Schmerzen kennt,

Wir lassen unsern spätsten Erben

Ein treu besiegelt Testament;

 

Denn kommen wird das frische Werde,

Das auch bei uns die Nacht besiegt,

Der Tag, wo diese deutsche Erde

Im Ring des großen Reiches liegt.

 

Ein Wehe nur und eine Schande

Wird bleiben, wenn die Nacht verschwand:

Daß in dem eignen Heimatlande

Der Feind die Bundeshelfer fand;

 

Daß uns von unsern eignen Brüdern

Der bittre Stoß zum Herzen drang,

Die einst mit deutschen Wiegenliedern

Die Mutter in den Schlummer sang;

 

Die einst von deutscher Frauen Munde

Der Liebe holden Laut getauscht,

Die in des Vaters Sterbestunde

Mit Schmerz auf deutsches Wort gelauscht.

 

Nicht viele sind′s und leicht zu kennen -

O haltet ein! Ihr dürft sie nicht

In Mitleid noch im Zorne nennen,

Nicht in Geschichte noch Gedicht.

 

Laßt sie, wenn frei die Herzen klopfen,

Vergessen und verschollen sein,

Und mischet nicht die Wermutstropfen

In den bekränzten deutschen Wein!


Das Gedicht "Im Herbste 1850" stammt von   (1817 - 1888).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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