"Unverständlich sind uns die Jungen",

wird von den Alten beständig gesungen;

meinerseits möchte ich′s damit halten:

"Unverständlich sind mir die Alten."

Dieses Am-Ruder-bleiben-Wollen

In allen Stücken und allen Rollen,

dieses Sich-unentbehrlich-Vermeinen

samt ihrer "Augen stillem Weinen",

als wäre der Welt ein Weh getan -

ach, ich kann es nicht verstahn.

Ob unsere Jungen, in ihrem Erdreisten,

wirklich was Besseres schaffen und leisten,

ob dem Parnasse sie näher gekommen

oder bloß einen Maulwurfshügel erklommen,

ob sie mit anderen Neusittenverfechtern,

die Menschheit bessern oder verschlechtern,

ob sie Frieden sä′n oder Sturm entfachen,

ob sie Himmel oder Hölle machen -

eins läßt sie stehn auf siegreichem Grunde:

sie haben den Tag, sie haben die Stunde;

der Mohr kann gehen, neu Spiel hebt an,

sie beherrschen die Szene, sie sind dran.


Das Gedicht "Die Alten und die Jungen" stammt von   (1819 - 1898).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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