Frisch auf, mein Sinn, ermuntre dich,

Weil dort die Morgensonne sich

Zeigt auf vergüld?tem Hügel.

Es hüpfet ob den Büschen ümm,

Und singet Gott mit krauser Stimm?

Das leichte Luftgeflügel.

Schläfer, Schäfer,

Sind geflissen,

Zu begrüßen

Trift und Auen,

Dir und ihnen sich zu trauen.

 

Dir, dir, dir hier, o Gott, stimmt an,

Was schwebt, was webt, was beben kann,

Ein Loblied deiner Güte.

Auch mich soll nichts beschämen nicht,

Daß ich vergesse meine Pflicht

Und dankbares Gemüthe.

Höre, mehre

Dies Erklingen,

Laß mein Singen,

Dich jetzt preisen,

Und dir Ruhm und Ehr? erweisen.

 

Das Leid der Nacht ist überhin.

Wer macht, daß ich entkommen bin

Aus tausendfachen Stricken?

Da mich umfing des Todes Bild,

War deine Hand mein starker Schild,

Dein Schutz wollt? mich beglücken.

Pfeilen, Seilen

Böser Leute,

Die zur Beute

Mich erwählet,

Hat ihr Werk der Nacht gefehlet.

 

Du Held und Hüter unsrer Wacht,

Der du nicht schläfest in der Nacht,

Dein Gnadenaug? bleib? offen;

Beug? ferner allem Unfall für,

Und öffne meines Herzens Thür

Zu fest gefaßtem Hoffen.

Ende, wende

Meine Schmerzen

In dem Herzen

Ob den Sünden,

Laß mich deine Gnad? empfinden.


Das Gedicht "Morgenandacht" stammt von   (1626 - 1681).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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