Vor Drey Stücke, so mein Schöpfer mir so liebreich zugedacht,
Wird ihm auch mit allem Fleise, Ehre, Lob und Dank gebracht.
Erstlich, daß er mir Vernunft und Gesundheit hat geschenket,
Daß ich weiß, was Geist und Sinn mir zum Heyl und besten denket,
Und ich meine Leibes-Glieder froh und nützlich brauchen kan.
Zweytens, daß Lutheri Lehre mich von meiner Jugend an
Zu der wahren Kirche bracht, daß ich kan die Biebel lesen,
Denn dadurch kan ich von Schmerz, und von Angst und Noth genesen,
Und mein Herz auch frölich mache, wenn mich Kreuz und Trübsal trit.
Drittens, daß ich sterben werde, und ich stündlich einen Schritt
Nach dem sanften Grabe thu/ und daß meinem Lauf und Leben
Ziel und Stunde, Zeit und Maß ist gesetzet und gegeben.
Das Gedicht "Vor Drey Stücke, so mein Schöpfer mir so liebreich zugedacht..." stammt von Sidonia Hedwig Zäunemann (1711 - 1740).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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