Auff der Jungfraw Braut Nahmen

Elisabeth von Sterens

Versezet

Ohe / last uns ins Bette.

 

Was gilt eß / Jungfraw Braut? Was gilt eß nuhn? Ich wette /

daß ewer Herze spricht: Oh lasset uns ins Bette.

Gebt nuhr dem Herzen nach / so ist die Wette mein /

obzwahr noch itzt der Mund dazuh spricht lauter Nein.

Gebt nuhr dem Herzen nach / was will der Mund doch machen?

die Augen sprechen selbst / sie können nicht mehr wachen.

Gebt nuhr dem Herzen nach! seht! Hymen ist bereit /

er hat das Fackelliecht / und spricht / eß seye Zeit.

Geht / gebt dem Herzen nach / wir wündschen euch darneben

ein langes / glückliches / und auch ein fruchtbar Leben!

Geht / gebt nuhr guhte Nacht / und heilt die Wunden zu /

enthaltet euch nicht mehr der angenemen Ruh.

Gebt mir nuhr willig nach / gewonnen ist die Wette:

Ihr seid doch gahr zu kranck / drumb gehet nuhr zu Bette.


Das Gedicht "Hochzeitgedicht" stammt von   (1621 - 1638).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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