Die Music mein ich hier / die Sinn und Muht durchdringet /

und mit der Liebligkeit biß in das Marck erklinget.

wo nichtes anders sonst des Menschen Muht bewegt /

da ist sie offters / die den Geist in ihm erregt;

und der vohr lange Zeit betrübet hat gesessen /

der kan durch die Music bald werden so vermessen /

daß er mit gradem Fuß lest sehen was er kan /

und stelt sich / als wolt er den hohen Himmel an.

Und dieses hab ich selbst zuhm offtern so befunden /

ja erst noch diese Nacht in mitnächtlicher Stunden /

da mich die Gans im Bett auch kaum gehalten hat /

weil dieses ganze Hauß mir vorkam als ein Radt:

die Stüle hüpften mir vohr Augen auff und nieder /

die Tisch und Bäncke gleich sich regten hin und wieder:

so starck ist die Music gewesen diese Nacht /

als recht in deren mitt′ ich war vohm Schlaff erwacht /

und was zuhm offtern mir ein Fabel war gewesen /

wan ich vohn Orpheus hatt und seiner Kunst gelesen /

das fieng mir gänzlich an für Wahrheit einzugehn etc.


Das Gedicht "Auß dem Lob einer Nachtmusic" stammt von   (1621 - 1638).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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