Nun ist der Tag gesunken,

vom Berge steigt die Nacht,

und hell mit tausend Funken

die Sternlein sind erwacht.

 

Nun über Tal und Hügel,

herab vom Sternenzelt,

nun schwebt mit leisem Flügel

die Freiheit durch die Welt.

 

Sie tritt an alle Hütten,

sie pocht an jedes Tor,

sie flüstert leise Bitten

dem Schlummernden ins Ohr.

 

Sie weiht mit heißem Kusse

den Jüngling und den Mann

und haucht mit leisem Gruße

auch den Gefangnen an.

 

Sie prüft am Schwert die Schneide,

sie tritt zum Pulverfaß,

sie zählt mit stummem Neide

den Sand im Stundenglas:

 

Daß alle Seelen träumen,

daß alle Herzen glühn,

von Rossen, die sich bäumen,

von Taten, stolz und kühn,

 

daß hinter Eisengittern,

selbst der Gefangne lacht?

Daß im Palast, mit Zittern,

ein bleicher Mann erwacht!


Das Gedicht "Nachts" stammt von (* 1816-05-30, † 1872-06-21).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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