Komm, Schatz; komm, Katz; laß das Wimmern!

Nein, das darf dich nicht bekümmern,

daß ich nicht "treu" bin; rück nur her!

Komm, ich hab ein Dutzend Seelen;

wer kann all die Kammern zählen,

sechse stehn mir grade leer.

 

Sieh nicht auf den Ring an meinem Finger!

Höh, mein Kind, ich bin viel jünger

als mein narbigtes Gesicht.

Weißt du, die Runzeln und die Hiebe

tun erst die Würze zu Ehre und Liebe!

Ja, das nannt ich als Student schon Pflicht:

 

Viel geliebt! noch mehr getrunken!

kuscht euch, Unken und Hallunken!

heida, wie der Schläger pfiff!

Soll das Leben dir was nützen,

lerne brav dein Blut versprützen:

nicht gezuckt! los! blick und triff! -

 

Hast doch auch schon "Blut" verspritzt,

oft - - hui, wie dein Auge blitzt:

zürnst wohl gar dem frechen Buben?

Was denn: Tränen?? o nicht doch! oh!

Herzchen, so was lernt man so

in der Luft der Ehestuben!

 

Komm: sei gut, Kind! gib mir die Hand!

Hast ja Mut, Kind - und hast Verstand:

nein, ich will dich nicht verführen.

Aber gelt, du wärst gern Braut?

Hier das Venushalsband deiner Haut

läßt verhaltene Wünsche spüren.

 

Sieh mich doch an, du: ich bin kein Dieb!

habe das Halsband nur so lieb

und deine dunkeln Augenringe.

Sieh doch, mein Blick ist ein zündender Pfeil,

sprühenden Fluges ein sausendes Seil:

komm, durch Höllen und Himmel soll′s uns

schwingen!


Das Gedicht "Venus Adultera" stammt von   (1863 - 1920).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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