Nun nimm drei weiße Nelken du,

mein Weib. Und du. Geliebte, nimm

diese drei roten noch dazu.

Und in die nickenden Nelken tu

ich eine dunkelgelbe Rose.

 

Seht: ist es nicht ein lockender Strauß,

ganz Eins auf diesem schwarzen Tuch?

Und sieht so farbenfriedsam aus.

Und nur von doppeltem Geruch:

die je drei Nelken und die Rose.

 

Nein, laßt! entzweit den Stengelbund

nicht! laßt! Sonst scheint so kalt und tot

bloß Gelb zu Weiß, und glüht so heiß

und brennt so wild bloß Gelb zu Rot;

dann, ja, dann hass′ ich wohl die Nelken!

 

Dann hass′ ich wild das zahme Weiß

und hasse kalt die rote Glut,

wohl bis zur Mordlust! Ja, es tut

mir weh, daß von Geruch und Blut

so reizend gleich sind alle Nelken!

 

Was willst du so entsetzt? Nein, bleib,

Geliebte, nimm, still seh ich zu:

nimm jetzt die weißen Nelken Du!

und die drei roten Du, mein Weib!

und ich die dunkelgelbe Rose.


Das Gedicht "Der Strauß" stammt von   (1863 - 1920).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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