(zum Gedenken an Detlev v. Liliencron)

 

Es war am sechsten Abend, und Gott sprach:

Alles ist gut geworden. Alles. Nur

der Mensch: was ist der Mensch? Er träumt wie Ich.

Er möchte ewig leben, ewig träumen.

Wenn ich nur schlafen könnte! endlich schlafen! -

 

Es war am sechsten Abend, und ein Dichter

sprach auf dem Sterbebett: Was ist der Mensch?

Er hielt die Hand des liebsten Freunds umklammert,

er wollt ihn ansehn mit den Schöpferaugen,

sie irrten durch ihn hin wie Säuglingsaugen

durch eine fremde, unerschöpflich fremde,

traumvolle Welt - er stammelte:

 

Sechs Tage keinen Schlaf. Nur Träume. Hörst du?

Alles war gut. Nur Ich - was ist mit mir?

Ich seh da immer Menschenscharen ziehn -

da an der Wand - Heerscharen - Kriegerscharen -

von Land zu Land mit mir - Erobrerscharen -

von Stern zu Stern - zur Schlacht - Schlachtopferscharen -

im Traum - sie opfern sich für Gott hin - hörst du?

die ganze Welt hin - sich hin - mich hin - Gott! -

Wenn ich nur endlich schlafen könnte - schlafen - -


Das Gedicht "Der letzte Traum" stammt von   (1863 - 1920).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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