I.
Nun kräht der Hahn das Nachtgespenst ins Nichts
Zerschmilz in Morgenluft, die schäumend quillt,
Weisheit, mit Blut gestillt,
Und Schatten doch, lichtlosen Angesichts.
Noch einmal, Leben, singe mir dein Chor,
Entführe mich des Tags Erobrerschritt
Zu fabelhaftem Ritt,
Musik der Liebe perle mir ins Ohr,
Der Hoffnung Lied, des Glücks Trompetenstoß,
Des Endes Schrei — o Leben, du zerstörst
Und gibst doch, was du schwörst:
Erfüllung nicht, nur Leben, Lebens Los.
II.
Nur dann, wenn diese Arme straff sich spannen,
Wenn diese Augen auf ein Ziel gerichtet,
Wenn der Gedanke sich zur Tat verdichtet,
Kann ich des Daseins Schwermut von mir bannen.
Zum Ungeheuren möcht ich mich ermannen!
Wo ist ein Wirrsal, das noch nicht geschlichtet?
Ein Wahn, den kein Jahrhundert noch vernichtet?
Ein Preis, den keine Streiter noch gewannen ?
Der Augenblick gebar mich; die Minute
Rafft mich dahin nach schnell durchträumten Stunden:
Empfinden will ich mich, sei’s auch an Wunden!
Fühl ich mich doch, indem ich mich verblute!
Nicht träg im Nest - wenn sie zur Sonne dringen,
Dann erst verspürt der Adler seine Schwingen.
Gedichte