Brügge

 

Die Gassen haben einen sachten Gang

(wie manchmal Menschen gehen im Genesen

nachdenkend: was ist früher hier gewesen?)

und die an Plätze kommen, warten lang

 

auf eine andre, die mit einem Schritt

über das abendklare Wasser tritt,

darin, je mehr sich rings die Dinge mildern,

die eingehängte Welt von Spiegelbildern

so wirklich wird wie diese Dinge nie.

 

Verging nicht diese Stadt? Nun siehst du, wie

(nach einem unbegreiflichen Gesetz)

sie wach und deutlich wird im Umgestellten,

als wäre dort das Leben nicht so selten;

 

dort hängen jetzt die Gärten groß und gelten,

dort dreht sich plötzlich hinter schnell erhellten

Fenstern der Tanz der Estaminets.

 

Und oben blieb? - - Die Stille nur, ich glaube,

und kostet langsam und von nichts gedrängt

Beere um Beere aus der süßen Traube

des Glockenspiels, das in den Himmel hängt.


Das Gedicht "Quai du Rosaire" stammt von   (1875 - 1926).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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