Nichts als ein Atemzug ist das Leere, und jenes

grüne Gefülltsein der schönen

Bäume: ein Atemzug!

Wir, die Angeatmeten noch,

heute noch Angeatmeten, zählen

diese, der Erde, langsame Atmung,

deren Eile wir sind.

 

Aber die Winter! O diese heimliche

Einkehr der Erde. Da um die Toten

in dem reinen Rückfall der Säfte

Kühnheit sich sammelt,

künftiger Frühlinge Kühnheit.

Wo das Erdenken geschieht

unter der Starre; wo das von den großen

 

Sommern abgetragene Grün

wieder zum neuen

Einfall wird und zum Spiegel des Vorgefühls;

wo die Farbe der Blumen

jenes Verweilen unserer Augen vergißt.


Das Gedicht "O Lacrimosa, II" stammt von   (1875 - 1926).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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