Du, der ichs nicht sage, daß ich bei Nacht

weinend liege,

deren Wesen mich müde macht

wie eine Wiege.

Du, die mir nicht sagt, wenn sie wacht

meinetwillen:

wie, wenn wir diese Pracht

ohne zu stillen

in uns ertrügen?

 

Sieh dir die Liebenden an,

wenn erst das Bekennen begann,

wie bald sie lügen.

 

Du machst mich allein. Dich einzig kann ich vertauschen.

Eine Weile bist dus, dann wieder ist es das Rauschen,

oder es ist ein Duft ohne Rest.

Ach, in den Armen hab ich sie alle verloren,

du nur, du wirst immer wieder geboren:

weil ich niemals dich anhielt, halt ich dich fest.

 

(Aus den "Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge")


Das Gedicht "Lied" stammt von   (1875 - 1926).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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