Und sie hatten Ihn in sich erspart

und sie wollten, daß er sei und richte,

und sie hängten schließlich wie Gewichte

(zu verhindern seine Himmelfahrt)

 

an ihn ihrer großen Kathedralen

Last und Masse. Und er sollte nur

über seine grenzenlosen Zahlen

zeigend kreisen und wie eine Uhr

 

Zeichen geben ihrem Tun und Tagwerk.

Aber plötzlich kam er ganz in Gang,

und die Leute der entsetzten Stadt

 

ließen ihn, vor seiner Stimme bang,

weitergehn mit ausgehängtem Schlagwerk

und entflohn vor seinem Zifferblatt.


Das Gedicht "Gott im Mittelalter" stammt von   (1875 - 1926).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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