Flutet mir in diese trübe Reise

Deines Herzens warme Bahn entgegen?

Nur noch Stunden und ich werde leise

meine Hände in die deinen legen:

o wie lange ruhten sie nicht aus.

Kannst du dir denn denken, daß ich Jahre

so: ein Fremder unter Fremden fahre?

Und nun endlich nimmst du mich nach Haus.

 

Siehst du, selbst um das Gestirn zu schauen,

brauchts ein kleines irdisches Beruhn,

denn Vertrauen kommt nur aus Vertrauen,

Alles Wohltun ist ein Wiedertun.

Ach die Nacht verlangte nichts von mir.

Doch wenn ich mich zu den Sternen kehrte,

der Versehrte an das Unversehrte:

Worauf stand ich? War ich hier?

 

Ach wie Wind durchging ich die Gesträuche,

jedem Haus entdrang ich wie ein Rauch,

wo sich andre freuten in Gebräuche

blieb ich strenge wie ein fremder Brauch.

Meine Hände gingen schreckhaft ein

in der andern schicksalvolle Schließung;

Alle, alle mehrte die Ergießung:

und ich konnte nur vergossen sein.

 


Das Gedicht "Flutet mir in diese trübe Reise..." stammt von   (1875 - 1926).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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