In jenen kleinen Städten, wo herum

die alten Häuser wie ein Jahrmarkt hocken

der sie bemerkt hat plötzlich und, erschrocken,

die Buden zumacht und, ganz zu und stumm,

 

die Schreier still, die Trommel angehalten,

zu ihr hinaufhorcht aufgeregten Ohrs -:

dieweil sie ruhig immer in dem alten

Faltenmantel ihrer Contreforts

 

dasteht und von den Häusern gar nicht weiß:

in jenen kleinen Städten kannst du sehn,

wie sehr entwachsen ihrem Umgangskreis

die Kathedralen waren. Ihr Erstehn

 

ging über alles fort, so wie den Blick

des eignen Lebens viel zu große Nähe

fortwährend übersteigt, und als geschähe

nichts anderes; als wäre Das Geschick,

 

was sich in ihnen aufhäuft ohne Maßen,

versteinert und zum Dauernden bestimmt,

nicht Das, was unten in den dunkeln Straßen

vom Zufall irgendwelche Namen nimmt

 

und darin geht, wie Kinder Grün und Rot

und was der Krämer hat als Schürze tragen.

Da war Geburt in diesen Unterlagen,

und Kraft und Andrang war in diesem Ragen

und Liebe überall wie Wein und Brot,

und die Portale voller Liebesklagen.

Das Leben zögerte im Stundenschlagen,

und in den Türmen, welche voll Entsagen

auf einmal nicht mehr stiegen, war der Tod.


Das Gedicht "Die Kathedrale" stammt von   (1875 - 1926).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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