Ihm ward des Eingangs grüne Dunkelheit

kühl wie ein Seidenmantel umgegeben

den er noch nahm und ordnete: als eben

am andern transparenten Ende, weit,

 

aus grüner Sonne, wie aus grünen Scheiben,

weiß eine einzelne Gestalt

aufleuchtete, um lange fern zu bleiben

und schließlich, von dem Lichterniedertreiben

bei jedem Schritte überwallt,

 

ein helles Wechseln auf sich herzutragen,

das scheu im Blond nach hinten lief.

Aber auf einmal war der Schatten tief,

und nahe Augen lagen aufgeschlagen

 

in einem neuen deutlichen Gesicht,

das wie in einem Bildnis verweilte

in dem Moment, da man sich wieder teilte:

erst war es immer, und dann war es nicht.


Das Gedicht "Begegnung in der Kastanien-Allee" stammt von   (1875 - 1926).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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