Nun ruhen alle Wälder,

Vieh, Menschen, Städt′ und Felder,

Es schläft die ganze Welt;

Ihr aber, meine Sinnen,

Auf, auf, ihr sollt beginnen,

Was eurem Schöpfer wohlgefällt!

 

Wo bist, du, Sonne, blieben?

Die Nacht hat dich vertrieben,

Die Nacht, des Tages Feind.

Fahr hin! Ein′ andre Sonne,

Mein Jesus, meine Wonne,

Gar hell in meinem Herzen scheint.

 

Der Tag ist nun vergangen,

Die güldnen Sternlein prangen

Am blauen Himmelssaal;

So, so werd′ ich auch stehen,

Wenn mich wird heißen gehen

Mein Gott aus diesem Jammertal.

 

Der Leib eilt nun zur Ruhe,

Legt ab das Kleid und Schuhe,

Das Bild der Sterblichkeit;

Die zieh′ ich aus, dagegen

Wird Christus mir anlegen

Den Rock der Ehr′ und Herrlichkeit.

 

Breit aus die Flügel beide,

O Jesu, meine Freude,

Und nimm dein Küchlein ein!

Will Satan mich verschlingen,

So lass die Englein singen:

Dies Kind soll unverletzet sein!

 

Auch euch, ihr mein Lieben,

Soll heute nicht betrüben

Kein Unfall nicht Gefahr.

Gott lass′ euch ruhig schlafen,

Stell′ euch die güldnen Waffen

Ums Bett und seiner Helden Schar.

Alternativer Titel: Abendlied


Das Gedicht "Nun ruhen alle Wälder" stammt von   (1607 - 1676).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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