»Jaja, ich hab′ mir ′ne Pfeife gekauft,

eine Tabakspfeife von Ton!

Ja, Weibchen, ja: der »Ökonomie«

und aller Vernunft zum Hohn!

 

Haha, ich hab′ mir ′ne Pfeife gekauft,

eine stattliche Pfeife von Ton,

wie sie Mynheer van Holland raucht,

der reiche Zuckerbaron!

 

Ja lache nur, Weib, du hast ganz recht:

Ich rauch′ überhaupt keine Pfeif′;

doch weil ich so überglücklich war,

so mußt′ ich sie kaufen: begreif′!

 

Daß unser Junge nun wieder gesund,

das machte mich wunderfroh.

Und bin ich vergnügt, so kauf′ ich was,

ganz einerlei, was und wo.

 

Und bin ich vergnügt, so verschwend′ ich was,

leichtsinnig, wie ich nun bin.

So bin ich geboren, so sterb′ ich einst,

so leb′ ich inzwischen dahin.

 

Und siehst du: so hab′ ich die Pfeife gekauft;

ist sie nicht schön und lang?

Und gab, bei Gott! eine Mark dafür,

ein Markstück rund und blank.

 

Die Pfeif′ in der Hand, so schlendert′ ich hin

und sang und summte beglückt.

Die Spießer glotzten und stießen sich an

und grinsten: »Der ist verrückt.«

 

Und wenn du, mein Liebchen, dasselbe meinst,

ich stell′ es dir gänzlich frei.

Ich hab′ meine Pfeife von feinstem Ton;

da, Junge, schmeiß sie entzwei!


Das Gedicht "Ein Freudentag" stammt von   (1862 - 1926).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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