Ich hebe meine Geige

ganz heimlich unters Kinn

und zieh mit leisem Bogen

ganz heimlich drüber hin.

 

Da hebt mein blondes Dirnlein

den Fuß zum Tanzeschritt;

der Braunen lichtes Stimmlein

singt schon die Weise mit.

 

Die Jüngste wiegt ihr Püppchen:

»Marie Maruschka-ka« -

mit großen dunklen Augen

sitzt stumm mein Bube da.

 

Er kennt vor unserm Fenster

den alten Weidenbaum.

Wiegt auf dem höchsten Wipfel

im Winde sich ein Traum?

 

Mein Sohn, in meinen Tönen

hörst du der Winde Tanz?

Mein Sohn, in meinen Tönen

fliehst du der Wolke Glanz?

 

Mein Sohn, ich bin ein König,

willst du mein Erbe sein?

Du wirst im Sonnenpurpur

ein Fürst der Ferne sein.

 

Ich hab′ ein Schloß voll Schimmer

an einem fernen Meer -

heb′ ich ans Kinn die Geige,

kommt Gruß und Glück daher.


Das Gedicht "Der Erbe" stammt von   (1862 - 1926).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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