Die Bäche rauschen

Der Frühlingssonne,

Hell singen die Vögel,

Es lauschen die Blüten,

Und sprachlos ringen

Sich Wonnedüfte

Aus ihrem Busen;

Und ich muß trauern,

Denn nimmer strahlt mir

Dein Aug, o Geliebte! –

Nicht über den Wellen

Des Ozeanes,

Nicht über den Sternen

Und nicht im Lande

Der Phantasien

Ist meine Heimat;

Ich finde sie nur

In deinem Auge!

Was je mir freudig

Beseelte das Leben,

Was nach dem Tode

Mir weckte die Sehnsucht,

Entschwundner Kindheit

Fröhliche Tage

 

Und meiner Jugend

Himmlische Träume,

Von meinen Toten

Trauliche Grüße

Und meiner Gottheit

Stärkenden Anblick,

Das alles find ich

In deinem Auge,

O meine Geliebte!

Nun bist du ferne,

Und bitter beneiden

Muß jeden Stein ich

Und jede Blume,

Beneiden die kalten

Menschen und Sterne,

An die du vergeudest

Die süßen Blicke.


Das Gedicht "Neid der Sehnsucht" stammt von   (1802 - 1850).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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