Kühl herbstlicher Abend, es weht der Wind,

Am Grabe der Mutter weint das Kind,

Die Freunde, Verwandten umdrängen dicht

Den Prediger, der so rührend spricht.

Er gedenkt, wie fromm die Tote war,

Wie freundlich und liebvoll immerdar,

Und wie sie das Kind so treu und wach

Stets hielt am Herzen; wie schwer dies brach.

Daß grausam es ist, in solcher Stund

Die Toten zu loben, ist ihm nicht kund;

Der eifrige Priester nicht ahnt und fühlt,

Wie er im Herzen des Kindes wühlt.

Es regnet, immer dichter, herab,

Als weinte der Himmel mit aufs Grab,

Doch stört es nicht den Leichensermon,

Auch schleicht kein Hörer sich still davon.

Die Tote hört der Rede Laut

So wenig, als wie der Regen taut,

So wenig als das Rauschen des Winds,

Als die Klagen ihres verwaisten Kinds.

Der Priester am Grabe doch meint es gut,

Er predigt dem Volk mit Kraft und Glut,

Verwehender Staub dem Staube,

Daß er ans Verwehen nicht glaube.


Das Gedicht "An einem Grabe" stammt von   (1802 - 1850).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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