Der Morgen frisch, die Winde gut,

Die Sonne glüht so helle,

Und brausend geht es durch die Flut;

Wie wandern wir so schnelle!

 

Die Wogen stürzen sich heran;

Doch wie sie auch sich bäumen,

Dem Schiff sich werfend in die Bahn,

In toller Mühe schäumen:

 

Das Schiff voll froher Wanderlust

Zieht fort unaufzuhalten,

Und mächtig wird von seiner Brust

Der Wogendrang gespalten;

 

Gewirkt von goldner Strahlenhand

Aus dem Gesprüh der Wogen,

Kommt ihm zur Seit ein Irisband

Hellflatternd nachgeflogen.

 

So weit nach Land mein Auge schweift,

Seh ich die Flut sich dehnen,

Die uferlose; mich ergreift

Ein ungeduldig Sehnen.

 

Daß ich so lang euch meiden muß,

Berg, Wiese, Laub und Blüte! -

Da lächelt seinen Morgengruß

Ein Kind aus der Kajüte.

 

Wo fremd die Luft, das Himmelslicht,

Im kalten Wogenlärme,

Wie wohl tut Menschenangesicht

Mit seiner stillen Wärme!


Das Gedicht "Seemorgen" stammt von   (1802 - 1850).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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