1

Friedlicher Abend senkt sich aufs Gefilde;

Sanft entschlummert Natur, um ihre Züge

Schwebt der Dämmerung zarte Verhüllung, und sie

Lächelt, die holde;

 

Lächelt, ein schlummernd Kind in Vaters Armen,

Der voll Liebe zu ihr sich neigt; sein göttlich

Auge weilt auf ihr, und es weht sein Odem

Über ihr Antlitz.

2

Stille wirds im Walde; die lieben kleinen

Sänger prüfen schaukelnd den Ast, der durch die

Nacht dem neuen Fluge sie trägt, den neuen

Liedern entgegen.

 

Bald versinkt die Sonne; des Waldes Riesen

Heben höher sich in die Lüfte, um noch

Mit des Abends flüchtigen Rosen sich ihr

Haupt zu bekränzen.

 

Schon verstummt die Matte; den satten Rindern

Selten nur enthallt das Geglock am Halse,

Und es pflückt der wählende Zahn nur lässig

Dunklere Gräser.

 

Und dort blickt der schuldlose Hirt der Sonne

Sinnend nach; dem Sinnenden jetzt entfallen

Flöt und Stab, es falten die Hände sich zum

Stillen Gebete.


Das Gedicht "Abendbilder" stammt von   (1802 - 1850).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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