Lächle, lächle lieber Mond

In der Zelle Nacht,

Wo die stille Liebe wohnt,

Wo die Sehnsucht wacht.

 

Meines Herzens ew′gen Drang

Bring′ ihn doch zur Ruh,

Sing′ ihm süßen Wiegensang,

Tröstungen ihm zu.

 

Lächle mit dem Himmelstrahl

Trauter, lieber Mond

In das stille Friedensthal,

Wo die Freundin wohnt.

 

Ströme deinen Segensquell

Hin auf ihr Gemüth,

Das so lieblich, rein und hell

Wie dein Antlitz blüht.

 

Zeuge meiner Seligkeit,

Meiner Freundin Freund,

Der oft still und ohne Neid

Mich mit ihr vereint.

 

Ist der Tag nicht bald vollbracht,

Holder Bundesstern?

Ach, ist die Vermählungsnacht

Immer noch so fern?

 

Mond, wann fällt dein bleicher Strahl

Lächelnder herab

Auf das ew′ge Friedensthal,

Auf das stille Grab,

 

Wo die Sehnsucht schläft und ruht,

Ach wohin sie zieht,

Wenn mit ihrem höchsten Gut

Sie der Erd′ entflieht?

 

Mond, mein Geist fliegt auf zu dir,

Um den Ort zu weihn,

Wo er eins mit Ihr, mit Ihr,

Seliger wird sein.


Das Gedicht "An den Mond" stammt von   (1783 - 1817).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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