1876

 

Haltet hoch der Wahrheit Banner,

Ob der finst′re Geist auch dräut,

Der im Dunklen steht und lauert

Und des Tages Helle scheut!

Grad′ und sicher geht die Bahn,

Die zum Lichte führt hinan!

 

Seht! dort stehen sie und deuten,

Klauben an dem kalten Wort;

Doch den Kern des Lebens selber

Werfen blind sie daraus fort!

 

Dies Gezücht: den Geist des Glaubens

Hat es ja noch nie gefühlt

Und den Drang des Wissens nimmer,

Den der Wahrheit Quell nur kühlt!

 

Und mit ihrer Thorensatzung,

Die so frech sich Wahrheit nennt,

Wollen sie uns wieder knechten,

Zitternd für ihr Regiment!

 

Freunde, die ihr meines Glaubens,

Auf dem Grund der Wissenschaft

Soll der Bau des Heils gedeihen!

Drum mit eurer vollen Kraft

 

Zeigt dem Pharisäervolke,

Wie der Freiheit Geist sich regt,

Der das Pfaffenthum verachtet,

Welche Kutte es auch trägt!

 

Nicht nach Würden sei getrachtet,

Nicht nach Stern und Ordensband:

Hoch allein der Wahrheit Banner,

Und in Fetzen aller Tand!

Grad? und sicher geht die Bahn,

Die zum Lichte führt hinan!


Das Gedicht "An meine Freunde in der zweiten Landessynode zu Dresden" stammt von   (1854 - 1889).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

 

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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