Empfangen und genähret

vom Weibe wunderbar,

kömmt er und sieht und höret

und nimmt des Trugs nicht wahr;

gelüstet und begehret

und bringt sein Tränlein dar;

verachtet und verehret;

hat Freude und Gefahr;

glaubt, zweifelt, wähnt und lehret,

hält nichts und alles wahr;

erbauet und zerstöret

und quält sich immerdar;

schläft, wachet, wächst und zehret;

trägt braun und graues Haar,

und alles dieses währet,

wenn′s hoch kommt, achtzig Jahr.

Dann legt er sich zu seinen Vätern nieder

und er kömmt nimmer wieder.


Das Gedicht "Der Mensch" stammt von   (1740 - 1815).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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