Ich atme Dich mit Sehnsucht, süßer Duft.

Wo Du verschwebst, ging aller Frühling enden,

Wo Du verhauchst, da weht von Schatten-Wänden

Herbstlichen Atems die bereifte Luft.

 

Ich schmecke Dich mit Andacht, edles Brot.

Wo Du gebrichst, gebricht es aller Fülle,

Wo Du ausgehst, da steigt aus ihrer Hülle

Von Überfluß die ungemeßne Not.

 

Ich fühle Dich mit Angst, geliebter Leib.

Die Dich verlor, die Hand, wird irrer Schwere

Tasten ringsum und tasten in die Leere

Nach allen Dings unfaßbarem Verbleib.

 

Ich höre Dich, o naher Stimme Sang.

Wo Du verstummst, wird jeder Laut in Schweigen

Hinsterben und vergeblich tief im Neigen

Das Ohr sich mühn nach einem kleinen Klang.

 

Ich sehe Dich mit Inbrunst, großes Licht,

Geleucht der Weite, Glanz aus tausend Fernen.

Wo Du verbleichst, kehrt unter blinden Sternen

In Dunkel das verlöschende Gesicht.


Das Gedicht "Anrede" stammt von   (1899 - 1929).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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