Ich bin nur Flamme, Durst und Schrei und Brand.

Durch meiner Seele enge Mulden schießt die Zeit

Wie dunkles Wasser, heftig, rasch und unerkannt.

Auf meinem Leibe brennt das Mal: Vergänglichkeit.

 

Du aber bist der Spiegel, über dessen Rund

Die großen Bäche alles Lebens gehn,

Und hinter dessen quellend gold′nem Grund

Die toten Dinge schimmernd aufersteh′n.

 

Mein Bestes glüht und lischt - ein irrer Stern,

Der in den Abgrund blauer Sommernächte fällt -

Doch deiner Tage Bild ist hoch und fern,

Ewiges Zeichen, schützend um dein Schicksal hergestellt.


Das Gedicht "Anrede" stammt von   (1883 - 1914).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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