Wo ist das Land, da noch Gesetze blühn,

Wo Tugenden Millionen Herzen glüh′n,

Ein Vaterauge sanft auf Alles blickt,

Und der Verführung einmal gar Nichts glückt?

 

Wo ist das Schloß voll wunderschöner Prinzen,

Da nicht Verräthermienen teuflisch grinzen,

Wo nur die Treue wandelt aus und ein,

Und stumme Ehrfurcht ist kein leerer Schein?

 

Wo ist der Staat, da Sinn für Ordnung ist,

Zu Würden nur gelangt der wahre Christ,

Zufriedenheit bei Unterthanen wohnt,

Und sich Verdienst in milder Gnade sonnt?

 

Wo Jeder mit den Seinen sich begnügt,

Und höhern Wünschen man sich gerne fügt,

Wo Neid und Habsucht, Scheelgier und Verrath

Nicht überwuchern darf des Guten Saat?

 

Wo man allein noch Ritterlichkeit trifft,

Wo nimmer wirkt das Demokratengift,

Wo nicht die Faulheit auf der Bierbank thront,

Und Pflichterfüllung durch sich selbst belohnt?

 

Wo stille Demuth annoch findet Statt,

Und noch der Adel was zu sagen hat,

Wo Herr und Knecht kein leerer Name ist,

Kurz, wo Religion und Christenthum noch ist!?


Das Gedicht "Damenpoesie nach dem tollen Jahr" stammt von   (1827 - 1892).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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