Ein Jüngling lag am Hügelrand,

Und träumte von besseren Tagen,

Er träumte von dem Vaterland,

Vom letzten Schlachtenschlagen;

Die Wimper zuckt, das Herz pocht laut,

Er hat auf menschlicher Erd erschaut

Kein Weinen mehr und Klagen.

 

Die Föhren säuselten in dem Wind,

Hoch kreiste der Weih in den Lüften,

Der Morgenathem kam so lind

Herüber die grünen Triften;

Und in der jungen träumenden Brust

Eine Friedenswelt ward sich bewußt,

Berauscht von Freiheitsdüften.

 

Es war der Liebe goldenes Reich

In alle Thäler gezogen,

Da machte die Schönheit die Menschen gleich,

Da ward keiner Treue gelogen,

Da war keine Sünde, da war keine Schuld,

Da schwelgete Alles in Liebeshuld

Was unter dem Himmelsbogen.

 

So wacht er auf in grüner Flur,

Gen Süden glänzte die Sonne,

Kein Menschenlaut! er hörte nur

Der Vögel Liederwonne.

Zur Seite rieselt ihm leis ein Quell,

So silberfrisch, so dunkel hell,

Er trank vom klaren Bronne.

 

Daß er geträumt, er wußt es nicht,

War von der Welt genesen,

Er glaubte wie im Traumgesicht

So sei es immer gewesen.

Dann that er wieder die Augen zu,

Und lag in schweigender Schlafesruh,

Genesen.


Das Gedicht "Apricari" stammt von   (1827 - 1892).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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