In dieser wunderbaren Zeit

Wo man zerstört und baut,

Da hab ich viel gezweifelt

Und habe viel vertraut.

 

Von Mitteln hört ich und vom Zweck,

Von Recht und Unrecht stets,

Von Recht und Rechtsgefühlen,

Moral und Rechts-Gesetz.

 

Man schied Geschichte und Vernunft,

Sprach von Altar und Thron,

Von Wahrheit und von Freiheit,

Man sprach von Religion.

 

Ich sah, was gut und böse sei,

Und wünschte Jenem Heil,

Doch ward uns ohne Dieses

Auch Jenes nicht zu Theil.

 

Ich sah die Ohnmacht, sah die Kraft,

Trägheit und Eifer viel,

Und Ziele sonder Wege

Und Wege sonder Ziel.

 

Gott helf uns Allen, sagte man

Zur guten alten Zeit,

Es sagen: hilf dir selber,

Wohl heutzutag die Leut.

 

Ach, wenn ich einmal wünschen darf,

So wünsch ich Eines nur:

Sie niemals zu verläugnen

Die eigenste Natur!


Das Gedicht "Allzeitwunsch " stammt von   (1827 - 1892).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte