Langes Verlangen, Hoffnung ohne Sinn,
Geseufz und Tränen so gewohnt zu fließen,
daß ich fast ganz in den zwei Strömen bin,
in welche meine Augen sich ergießen.

O Härten von entmenschter Grausamkeit,
himmlisches Licht, das karg zu schaun geruhte;
und immer noch im abgelehnten Blute
zunehmend das Gefühl der frühsten Zeit.

Als litt ich nicht genug. So mag noch schlimmer
der Gott an mir den Bogen proben. Pfeil
und Feuer verschwendet er sich selber zum Verdruß:

Denn ich bin so versehrt und nirgends heil,
daß keine neue Wunde an mir nimmer
die Stelle fände, wo sie schmerzen muß.


Das Gedicht "Langes Verlangen, Hoffnung ohne Sinn" stammt von   (1523 - 1566).


Anmerkung

Alternativer Titel: Das dritte Sonett




Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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