Mit mondesweissen, drängend tiefen Blicken

Starrt mich die blasse Herbstnacht fragend an.

- »Was ist′s? Was ist′s, dass du wie sonst nicht beben

Und weinen, lächeln, träumen kannst wie sonst?

Nenn′ mir dein Weh! dass ich die rothen Schmerzen

In weissen Wohllaut liebend lösen mag!

Mir sprachen viele - oft von ihren Schmerzen -

Nenn′ mir dein Weh!«

 

O, weisser, weiter Mond!

Das ist′s, was mich zum wilden Wahnsinn hinpeitscht,

Dass ich den eig′nen Schmerz nicht nennen kann ...

Ist′s matter Glieder schlaffe Körperfessel?

Ist′s Herzenstod und Herzensleichenfrost?

Ich fühl′s so kalt in allen Fasern rieseln,

Ich fühl′s erstickend die Gedanken pressen,

Ich fühl′, wie′s mich zerquält, zernagt, zerfrisst ...

O Gott! hat diese Krankheit keinen Namen?!

Und manchmal kommt mich grelles Lachen an,

Weil alles Selbstbetrug ist ... Wahn ... Erfindung ...

Mein ganzes Weh ist Lüge ... Lüge ... Lüge ...

O, weisser Mond! Ich halte keuchend ein.

Du träumeschweres, fremd-vertrautes Räthsel

... Weisst du, wie blass die Tuberose war?

In ihrem Kelch die nervenkranke Seele,

War sie gewoben nicht aus Mondenschein?

- - ...

O, weisser Mond! und warum schwand′st du damals?

Was hast du mich nicht todt geküsst zuvor?


Das Gedicht "Mondschein (1)" stammt von   (1877 - 1897).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

 

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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