Wird Gustav, der Kommis, entlassen?

Seit einer halben Stunde weiß ichs nicht ...

Die greise Mutter löffelt, was sie kriegt,

aus dicken Untertassen.

 

Nun kommt der Chef! Mit schultern Bartkoteletten

und einem Mimenmund und uhrgeschmücktem Bauch ...

Dumpf buchstabiert das Publikum: »Nee – ü-ber – Ihnen – a-ber –

auch ...«

Da gibt es nichts zu retten.

 

Hier stehen Mutter, Tochter, Hund und Chef und seine Leiche!

Nun aber steigt auf einer Geige jählings himmelan

ein Lauf, der seinerseits im Baß begann ...

Die nächste Nummer: »Jacob auf der Eiche.«

 

Humor! Man lacht! Wes Auge blieb da trocken?!

Die Hose – denken Sie – zer – hi – zerriß!

Vergessen ist die Tränenkümmemis

und jene Totenglocken ...

 

Doch jetzt erblick ich einen Fürsten oben,

der weiht mit seinem Helmbusch etwas ein -

ja, sollt dies wirklich Herzog Albrecht sein?

Und kurz und gut: Hier fühl ich mich erhoben!


Das Gedicht "Kino" stammt von   (1890 - 1935).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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