Mein Mann? mein dicker Mann, der Dichter?

Du lieber Gott, da seid mir still!

Ein Don Juan? Ein braver, schlichter

Bourgeois - wie Gott ihn haben will.

 

Da steht in seinen schmalen Büchern,

wie viele Frauen er geküsst;

von seidenen Haaren, seidenen Tüchern,

Begehren, Kitzel, Brunst, Gelüst...

Liebwerte Schwestern, lasst die Briefe,

den anonymen Veilchenstrauß!

Es könnt ihn stören, wenn er schliefe.

Denn meist ruht sich der Dicke aus.

 

Und faul und fett und so gefräßig

ist er und immer indigniert.

Und dabei gluckert er unmäßig

vom Rotwein, den er temperiert.

 

Ich sah euch wilder und erpichter

von Tag zu Tag - ach! lasst das sein!

Mein Mann? mein dicker Mann, der Dichter?

In Büchern: ja

Im Leben: nein.


Das Gedicht "Die arme Frau" stammt von   (1890 - 1935).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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