Dies siehst du häufig auf den Straßen:

Im Auto vor den Sektterrassen

schwimmt mild ein Fettkloß in dem Wagen -

Beruf: Nie sollst du mich befragen.

Der Motor surrt. Das Fett, es zittert.

Sieh da: es hat sich ausgewittert

mit Bolschewismus, mit Verträgen -

es wird sich alles wieder legen.

Der Dicke strahlt. Er ist der Alte...

Der ganze Bauch ist eine Falte!

Und kennst du seine Weiblichkeiten?

Wer wagt, den Liebreiz zu bestreiten

der jungen Mädchen aus dem Osten,

indem, daß sie so ville kosten?

"Der Stein ist Tineff!" haucht sie lind.

"Und der - der will mein Schklave sind?"

Als deiner anderswo gefeiert,

mein Kind, hast du dich entgeschleiert,

so tief, daß ich nach hinten prallte...

Der ganze Bauch war eine Falte!

 

Und das soll alles ich verlassen?

Berlin - ich kann es noch nicht fassen!

Du süße Stadt - ich komme wieder

und pfeif aufs neue deine Lieder.

Inzwischen, Liebste, laß mich gehn,

bleib hübsch gesund und laß mich stehn

die Lektrische, die Schutzmannschaft,

den Reichstag, die Germanenkraft,

die Kinos und die Landgerichte,

die Presse mit dem Weisheitslichte.

I Ich ab.

Und griene: "Daß dich Gott erhalte -!"

Der ganze Bauch ist eine Falte.


Das Gedicht "Abschiedsgesang" stammt von   (1890 - 1935).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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